Kölns Ausgaben für den Radverkehr

Anlässlich der jüngsten Greenpeace-Veröffentlichung zum Thema Radverkehr in deutschen Städten krame ich mal einen Entwurf eines längeren Blogposts hervor, den ich nach der Veröffentlichung des ADFC Fahrradklima-Test 2017 (http://www.fahrradklima-test.de/) angefangen, aber nie veröffentlicht habe:

Der Nationale Radverkehrsplan 2020 (NRVP) der Bundesregierung empfiehlt in Städten zwischen 6 und 15 € pro Einwohner für den Bau und Unterhalt von Radverkehrsanlagen bereit zu stellen. Für ihren hohen Radverkehrsanteil bekannte Städte wie Amsterdam oder Kopenhagen investieren rd. 22 € pro Einwohner (lt. Greenpeace waren es dort zuletzt 36 € beziehungsweise 11 € pro Einwohner und Jahr). Schauen wir doch mal in den Kölner Haushaltsplan. Dort habe ich folgende Ausgabenplanung für 2017 und die Folgejahre mit Bezug auf den Radverkehr gefunden:

Finanzstelle/Bezeichnung[1]

Betrag in Mio. €

2017 2018 2019 2020
6602-1201-0-1008 Generalsanierung Radwege
1,75 1,5 1,5 1,5
6602-1201-0-4799 Radschnellweg Frechen-Köln
0,8 1,5 2,8 0,4
6602-1201-0-6620 Neubau Radwege/Radschnellwege
0,2 0,1 0,1 0,1
6602-1201-0-5922 Fahrradabstellanlage
0,46 0,46 0,46 0,46
6602-1201-0-5921 Radstation Bahnhof Süd
0,05 0,001 0,001 0,05
6602-1201-0-5924 Radstation Ehrenfeld
0,05 0,001 0,001 0,05
6602-1201-0-5929 Radstation Mülheim
0,05 0,001 0,001 0,05
6901-1202-1-0240 Fuß- und Radwegrampe Hohenzollernbrücke
0,35 0 0 0
1502-0902-6-0202 Integriertes Handlungskonzept Lindweiler Radwege
0,05 0,3 0,2 0
6601-1201-2-4734 Radweg Rodenkirchener Brücke/Leinpfad
0,6 0,23 0 0
6602-1202-4-1000 Parkgürtel Geh- und Radweg
0,1 0,08 0 0
Summe in Mio. €
4,46 4,17 5,06 2,61
Einwohner[2]:
1.081.701 1.090.000 1.099.200 1.108.400
Investition pro Einwohner in €:
4,12 3,82 4,60 2,35

Köln hat also 2017 für Investitionen in den Radverkehr Gelder in Höhe von 4,46 Mio. € vorgesehen. Bei etwas mehr als 1 Mio. Einwohner sind das also knapp 4 € pro Einwohner. Vielleicht ist das einfach zu wenig? Oder will man eigentlich gar nicht in Radverkehrsinfrastruktur investieren? Dann müsste sich die Politik ja mit den jetzigen motorisierten Hauptnutzern der Verkehrsfläche anlegen.

Update [29.08.2019]: Heute wird im Rat der Haushaltsplan 2019 behandelt. Dort sind für 2019 Ausgaben in Höhe von 4,29 Mio. € vorgesehen. Bei 1,09 Mio. Einwohnern sind nur noch 3,94 €/Einwohner!

 

[1] Haushaltsplan 2016 / 2017 Band 1

http://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf20/2016-2017/haushaltsplan_2016_2017_band_1.pdf

[2] Kleinräumige Bevölkerungsprognose für Köln 2015 bis 2040

http://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf15/kleinr%C3%A4umige_bev%C3%B6lkerungsprognose_2015_bis_2040.pdf

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Platz 16 beim Bürgerhaushalt

Die Online-Phase des Kölner-Bürgerhaushalts ist beendet, d.h. die eingestellten Vorschläge können nun nicht mehr bewertet werden. Unser Vorschlag zur Einstellung eines Sozialarbeiters an der Konrad-Adenauer-Realschule hat es mit 213 Pro-Stimmen auf Platz 16 im Bereich Schule/Bildung geschaft.

Jetzt beginnt die Auswertungsphase, d.h. die Stadtverwaltung muss sich mit den jeweils 100 bestplatzierten Vorschlägen auseinandersetzen.

Grenzverkehr

Zwischen Köln und Düsseldorf verlaufen mehrere Grenzen – sprachliche, mentale, verwaltungsmäßige, aber eben auch die zwischen den beiden Verkehrsverbünden VRS und VRR. Im Zuge der Zusammenarbeit hatte man sich irgendwann auf die Bedingungen des kleinen und großen Grenzverkehrs geeinigt. Mit einer (VRS-)Fahrkarte war z.B. die Fahrt von Köln nach Düsseldorf möglich. Früher soll es Erzählungen zufolge nötig gewesen sein, zwei Tickets zu verwenden: Eines bis zur Grenze und eines ab der Grenze.  

Aber das war vorbei … bis: Bis das Handyticket beworben und eingeführt wurde. Seitdem ist auf der Strecke Köln-Düsseldorf wieder genau diese Provinzialität ausgebrochen. Der naive Nahverkehrsnutzer würde vielleicht vermuten, dass in modernen Zeiten auch per Handy ein entsprechendes VRS-Ticket verfügbar wäre. Auf Nachfrage beim Verkehrsverbund wird nun empfohlen, per Handy ein VRS-Ticket bis zur und ein VRR-Ticket ab der Grenze zu lösen. Schöne neue Welt…

Handyticket

Seit ich bedauerlicherweise über kein Jobticket mehr verfüge, habe ich meine private ÖPNV-Nutzung auf ein Minimum eingeschränkt. Für meinen Arbeitgeber bin ich aber auch recht häufig in der Umgebung mit Bus und Bahn unterwegs. Weil aber die Fahrkarten des Verkehrsverbunds nicht über Reisebüros erhältlich sind, musste ich bislang jedesmal in Vorleistung gehen.

Das ändert sich nun aber mit dem Handyticket. Dazu musste ich mich einmalig auf einer Webseite anmelden und ein Zahlungsverfahren (z.B. Kreditkarte) hinterlegen. Seitdem kann ich per Anruf oder SMS kurz vor Fahrtantritt das passende Ticket lösen. Kleingeld für den Automaten brauche ich nicht mehr. Am Monatsende erstelle ich eine Übersicht der gebuchten Tickets und reiche sie zur Kostenerstattung ein. Selbstverständig kann ich das Handyticket auch privat nutzen.

Leider kosten die Handytickets genau so viel wie die regulären Papiertickets. Da die Verkehrsunternehmen aber eine Menge Infrastruktur einsparen, könnten sie ruhig einen kleinen Rabatt auf dieses Modell geben. Tun sie aber bislang nicht. Stattdessen starten sie bis Jahresende eine Kunden werben Kunden-Aktion. Wer Interesse hat, kann dies gerne in den Kommentaren bekunden.

Wir stellen uns quer!

Ein breites Bündnis von Bürgern, Parteien, Gerwerkschaften und Kirchen ruft am 20. September zu einer Großdemo gegen das Treffen von Neonazis und Rechtskonservativen auf.

Bis zu 1000 Rechte werden erwartet, darunter VertreterInnen extrem rechter Parteien aus Österreich, Belgien, Italien, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Ungarn – unter ihnen der Vorsitzende der extrem rechten Front National aus Frankreich, Jean Marie Le Pen. Die vermeintliche Islam-Kritik der Rechten dient lediglich als Deckmantel für die Hetze gegen Menschen anderer Herkunft und Religion. Das ist eine gezielte Provokation des friedlichen Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Kultur, Religion und Herkunft in NRW und Köln.

Die Polizei rechnet mit 40.000 Menschen, die sich ab 9:00 Uhr auf dem Roncalliplatz sammeln und nach einer Kundgebung zum Heumarkt ziehen, um mit einer Menschenkette das Treffen der Rechten zu verhindern.

Hafen vs. Naturschutz

Ganz im Kölner Süden liegt Godorf. Neben Ikea und Raffinerien befindet sich dort der Godorfer Hafen der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK), siehe auch google-maps und wikipedia. Direkt daneben liegt die Sürther Aue, ein Naturschutzgebiet, das zugleich ein Überschwemmungsgebiet bei Rheinhochwasser ist. Nach jahrzehntelangen Diskussionen hat der Rat der Stadt Köln nun mit den Stimmen der CDU und SPD (53 Ja- zu 35 Nein-Stimmen) der Erweiterung des Hafens zu Lasten der Aue zugestimmt.

Eigentümer der HGK sind zu 54,5 Prozent die Stadtwerke Köln GmbH (SWK), zu 39,2 Prozent die Stadt Köln und zu 6,3 Prozent der Erftkreis. Der Vorstand besteht aus Dr. Rolf Bender und Horst Leonhardt, Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Johannes Waschek (Angaben: Webseite HGK).

In der Aktionsgemeinschaft Contra Erweiterung Godorfer Hafen haben sich umliegende Dorfgemeinschaften und Bürgerinitiativen pro sürth e.V., DG Sürth e.V., Bürgervereinigung Rodenkirchen e.V., NABU, Dorfgemeinschaft Weiß e.V., BUND, Bürgerinitiative Hochwasser Altgemeinde Rodenkirchen e.V., Goding e.V., Immendorf 2000 e.V., Umweltforum Kölner Süden zusammen geschlossen, um den Ausbau zu verhindern.

Seit etlichen Jahren schwehlt der Konflikt um den Hafenausbau. Gutachten der Beführworter werden von Gutachten der Gegner wiederlegt. Das letzte Kapitel wurde aufgeschlagen, nachdem die HGK im Juli 07 ein Gutachten von Prof. Baum vorgelegt hatte, das die wirtschaftlichen Vorteile gegenüber den ökologischen Nachteilen positiv bewertet. Das Gegengutachten der Aktionsgemeinschaft sieht das entsprechend anders und wirft Prof. Baum vor, mit veralteten Zahlen gearbeitet zu haben.

Die Aktionsgemeinschaft führt als Gegenargumente an, dass ein Hafenausbau nicht nur umweltschädlich wäre,

weil ein für ganz Köln attraktives Naherholungsziel wegfallen würde
Lebensraum für viele, teilweise seltene Tiere und Pflanzen verloren ginge
zusätzlicher Lärm rund um die Uhr durch Containerbewegungen, Eisenbahnbewegungen und LKW-Verkehr entstünde
wichtige Überschwemmungsfläche für Rheinhochwasser verloren ginge
sondern auch rechtswidrig wäre, weil ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet zerstört würde und somit gegen das Naturschutzgesetz des Landes NRW verstoßen würde

und auch Steuergeld-Verschwendung wäre, weil

die ca. 60 Mio. Euro Hafenausbaukosten, die die Stadt Köln (bzw. die Steuerzahlen) investieren sollen (nach derzeitiger Schätzung, vgl. Kölner U-Bahn-Bau), in anderen Bereichen besser angelegt wären
der Nachweis der Wirtschaftlichkeit nicht erbracht ist. Es gibt genügend Kapazitäten in den Kölner Häfen. Das Gutachten der HGK wäre „schöngerechnet”.
Die nun letzte Möglichkeit, diesen wirtschaftlichen und ökologischen Unsinn zu beenden, ist ein Bürgerbegehren.

von ksued um # 08:27 in Köln&Südstadt
FREITAG, 31.08.2007

Carsharing

SPON schreibt heute über Carsharing. Da kann ich ja mal von den eigenen Erfahrungen berichten. Vor einem Jahr haben wir unser bisheriges Familienauto verkauft und machen seitdem bei dem Kölner Carsharing Cambio mit. Die Vorteile liegen ganz klar auf der Hand:

Ich benötige keinen privaten Parkplatz mehr bzw. die Parkplatzsuche entfällt. An drei Stationen in der Nähe hält Cambio die erforderlichen Parkplätze bereit.

Ich brauche mich nicht um TÜV, Werkstatt etc zu kümmern. Das übernimmt Cambio.

Ich habe je nach Anlass das passende Auto zur Auswahl. Im Stadtverkehr den kleinen Corsa, bei mehr Platzbedarf einen Astra-Kombi. Selbst Transporter sind im Angebot.

Bei der Anmeldung bekommt man eine Chipkarte mit Geheimzahl. Per Telefon oder Internet reserviert man rund um die Uhr das gewünschte Auto. Mit der Chipkarte bekommt man ab gebuchtem Fahrtbeginn an der Station den Autoschlüssel.

Die Autos sind immer in einem sehr gutem Zustand. Ich habe den Schritt bislang nicht bereut – im Gegenteil.

Die Kosten beschränken sich auf einen monatlichen Grundbetrag und einer Kombination aus Zeit- und Kilometertarif. Für Wenig-, Durchschnitts- und Vielfahrer gibt es eigene Tarife mit geringen Grundkosten und höheren Kilometerpreisen bzw. umgekehrt. Und da sind sogar die Spritpreise mit drinn!

von ksued um # 08:07 in Unterwegs
MITTWOCH, 14.02.2007