Ein offener Leserbrief (updated)

In der WAZ ist am 03.02.2015 unter der Überschrift „Wie Geocacher und Gassigeher dem Wald Schaden zufügen“ ein Artikel erschienen. Darin werden – mal wieder – Geocacher als Umwelttrampel dargestellt.

Meist ignoriere ich derartige Berichte, da sie häufig die Sachlage nicht richtig wiedergeben oder nicht in meiner Umgebung verortet sind. Dieses Mal kann ich mich aber nicht zurückhalten, da der Landesverband NRW des VCD, einem ökologisch ausgerichteten Verkehrsclub, dem ich mich eigentlich verbunden fühle, diesen Artikel unkommentiert bei Twitter weiterverbreitet hat.

Wahrscheinlich hat inzwischen jeder mal den Begriff „Geocaching“ gehört, aber nur wenige wissen genau, was es damit auf sich hat und wie die Spielregeln hierzu lauten. Trotzdem werden die Geocacher gerne pauschal für irgendwelche Missstände herangezogen. Dass die „GPS-basierende Schatzsuche“ zumindest in der Vergangenheit meist im Verborgenen stattfand, hat wahrscheinlich für manche Missverständnisse und Vorurteile gesorgt.

Geocaching ist seit fast 15 Jahren ein wunderbares Hobby, das weltweit Menschen jeden Alters in die Natur führt, sie in Bewegung versetzt und ihren ihre Umwelt auf eine neue Art und Weise vor Augen führt. Das läuft nicht immer ohne Konflikte mit den anderen „Nutzern“ der Landschaft ab. Aber diese Konflikte sind mit gutem Willen auf beiden Seiten gut lösbar.

Im Folgenden möchte ich kurz auf einzelne Passagen des Artikels eingehen:

Viele wissen nicht um die Schäden, die sie in der Natur anrichten – und was im Wald erlaubt ist und was nicht“.

Dieser Vorwurf trifft sicherlich auf die Gesamtbevölkerung zu. Geocacher suchen aber immer wieder aktiv die Kommunikation mit Förstern und Jägern, um gegenseitige Vorurteile abzubauen und für gegenseitiges Verständnis zu werben. So sind z.B. auch auf der diesjährigen Messe Jagd & Hund in Dortmund zum wiederholten Male Geocacher ehrenamtlich mit einem eigenen Stand vertreten und stehen dort als Ansprechpartner zur Verfügung.

Früher blieben die Menschen auf den Wegen, schon um sich nicht zu verlaufen. Heute gehen sie GPS-gesteuert kreuz und quer durch die Natur, Trampelpfade entstehen.“

Das Problem dabei: Immer wieder werden Rehe beim Äsen auf Wiesen aufgescheucht. „Werden sie dauernd gestört, ziehen sie sich in Dickungen zurück, das ist dort, wo der Wald sich entwickelt, fressen da u.a. junge Buchen.“ Das schädigt den Wald. In drei Jahren sei ein Cache in einer Dickung im Bezirk 1200 Mal angelaufen worden. „Da muss man sich nicht wundern, wenn Schleiereulen sich andere Orte suchen.“

Grundsätzlich ist es nicht verboten, im Wald die Wege zu verlassen. In besonderen Schutzgebieten (z.B. Naturschutzgebiete) ist das anders. Dort gilt in der Regel ein Wegegebot – für alle Waldbesucher. Daher weisen Geocacher in ihren Versteckbeschreibungen dort auch meist ausdrücklich darauf hin, dass hier die offiziellen Wege nicht verlassen werden dürfen. Ein Geocache dürfte daher in sensiblen Gebieten gar nicht versteckt sein. Sollte tatsächlich einmal ein Cache in einer Dickung liegen, so sollte dem im Artikel genannten lokalen Vertreter des Waldbauernverbandes NRW eigentlich bekannt sein, wie er Kontakt mit den „Geocaching-Schiedsrichtern“ aufnehmen kann. Gerade in jüngster Zeit haben sich vermehrt Geocacher als lokale Ansprechpartner angeboten. Notfalls gibt es auch einen deutschsprachigen Ansprechpartner in Seattle/USA.

Nüfer weiß von Nacht-Geocaching mit phosphoreszierenden Stecknadeln , die in Bäume gesteckt werden. „Das ist Sachbeschädigung“, sagt er.

Wahrscheinlich hat er mit dieser Behauptung juristisch sogar recht. Es muss aber die Frage erlaubt sein, welchen Schaden reflektierende Stecknadeln in einer Baumrinde haben. Es gilt unter Geocachern inzwischen als eine Ehrenregel, dass Bäume (und anderes fremdes Eigentum) selbstverständlich nicht beschädigt werden dürfen. Befestigungen mit Schrauben oder Nägeln sollten daher tabu sein. Manche Wegebeschilderung im Wald ist da viel problematischer.

Und die Caches seien meist Plastikdosen, die später einfach als Müll zurückgelassen würden. Dass viele ihren Müll achtlos wegschmeißen, stellt auch WAZ-Leserbeirat Albert Hille fest: „Ich jogge im Wald in Welper, da ist kein Meter, auf dem nicht Müll liegt.“

Geocachebehälter sind häufig Tupperdosen o.ä. Und sie liegen oft jahrelang in ihrem Versteck. Um sie herum gibt es eine gewisse „Bannmeile“ für weitere Verstecke. So wird verhindert, dass zuviele Verstecke an einem Ort liegen. Wenn der Besitzer irgendwann seinen Cache aufgegeben wird, so wird er ihn im Regelfall danach auch wieder einsammeln. Hier einen Bezug zu Müll im Wald herzustellen, empfinde ich als arge Verdrehung der Sachlage. Müll im Wald ist ein sehr ärgerliches Thema. Daher veranstalten Geocacher gelegentlich in Abstimmung mit örtlichen Behörden oder Grundstücksbesitzern Müllsammelaktionen, sog. Cito-Events. Auch darüber hat die WAZ schon öfter berichtet .

Weder bei den Geocachern noch bei den anderen Waldnutzern wie Wanderer, Vogelbeobachtern, Förstern, Hundebesitzern u.v.m. ist alles fehlerfrei. Aber bei der bunten Gruppe der Geocacher ist der positive Wille vorhanden. Wenn es also Probleme geben sollte, sprecht mit ihnen, aber nicht über sie – und schon gar nicht nur schlecht!

Update 13.02.2015: Die vielstimmige Kritik scheint beim der WAZ/Der Westen angekommen zu sein. Heute gibt es einen Artikel „Geocacher werden bei Beschwerden aktiv“, der sich schon fast wie eine Gegendarstellung ließt.

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