Geocachingverbot in Kölns Grünflächen droht

Durch einen Tweet von Eigengott bin ich darauf aufmerksam geworden, dass die Stadt Köln seit dem letzten Sommer dabei ist, ihren aktuellen Landschaftsplan zu aktualisieren (siehe dort Anlage 1). Im Landschaftsplan sind die allgemeinen Regelungen (Ge- und Verbote) für Landschaftsschutzgebiete, Naturschutzgebiete, geschützte Landschaftsbestandteile und Naturdenkmale zusammengefasst. Derzeit laufen noch die Anhörungen der Bezirksvertretungen. Ende März wird der Ausschuss für Umwelt und Grün sein abschließendes Votum abgeben und damit dem Rat der Stadt empfehlen, voraussichtlich am 8. April entsprechend darüber abzustimmen4.

In der Neufassung sind für geschützte Landschaftsbestandteile2 (z.B. für die Innenstadt Stadtgarten/Venloer Str., Friedenspark/Römerpark, Stadtgarten Deutz und Jüdischer Friedhof), Naturschutzgebiete (Königsforst, Wahner Heide1, Chorbusch und 20 19 weitere) und Naturdenkmale3 (ca. 1.200 Einzelbäume) ausdrückliche Geocachingverbote vorgesehen. Auch wenn die meisten Kölner Geocaches wahrscheinlich nicht in diesen Schutzräumen liegen, so sind hier aber doch künftig landschaftlich besonders reizvolle Gebiete für Geocaches gesperrt. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass von einer solchen Regelung in der viertgrößen deutschen Stadt eine gewisse Signalwirkung für die umliegenden Städte und Gemeinen ausgehen könnte. Es sein denn, es gelingt uns Geocachern die Lokalpolitiker und die Stadtverwaltung davon zu überzeugen, dass Verbote nicht der geeignete Weg sind, um Schäden durch Geocaching zu verhindern.

Ansonsten ist künftig verboten

Geschützte Landschaftsbestandteile (S. 79/102 des Entwurfs)
„Geocache-Behälter in oder an Bäumen incl. des Kronentraufbereiches und in stehenden oder fließenden Gewässern incl. der Uferbereiche zu verstecken, anzubringen oder nach den Geocache-Behältern zu suchen.
Erläuterung:
Hierdurch sollen in den besonders empfindlichen Bereichen Störungen für die Tierwelt vermieden und eine möglichst ungestörte Vegetationsentwicklung insbesondere für trittempfindliche Flächen gewährleistet werden.“

Naturschutzgebiete (S. 128/148f)
„Geocache-Behälter zu verstecken, anzubringen oder nach den Geocache-Behältern zu suchen.
Erläuterung:
Hierdurch sollen in den Naturschutzgebieten Störungen für die Tierwelt und Schädigungen der Vegetation vermieden werden.
Begründung:
Seit der Erfindung des Geocaching im Jahr 2000 hat sich diese Art der Freizeitgestaltung sehr schnell etabliert und verbreitet. Zwischenzeitlich existieren derzeit etwa 280.000 aktive Caches in Deutschland, wobei mit ca. 47.000 Caches in NRW die meisten zu finden sind. Die Geocache-Behälter werden überwiegend in vorhandenen natürlichen oder künstlichen Hohlräumen, wie etwa Baumhöhlen, versteckt. Je nach Schwierigkeitsgrad der Aufgaben kann durchaus eine Baumhöhle in der Baumkrone als Versteck dienen. Störungen der Tierwelt, insbesondere Vögel und Fledermäuse, aber auch der Vegetation sind dabei unvermeidbar.“

Naturdenkmale (S. 167/171)
„Geocache-Behälter in oder an Bäumen incl. des Kronentraufbereiches zu verstecken oder nach den Geocache-Behältern zu suchen.
Erläuterung:
Hierdurch sollen Schädigungen der Bäume und Störungen für die Tierwelt vermieden werden vermieden werden.“

____

Updates
1 Die Wahner Heide ist vom Kölner Landschafsplan nicht erfasst. Für sie gibt es einen eigenen Landschaftsplan.
2 Insgesamt 184 Einzelflächen (ab Gliederungspunkt 3.5.2 im bestehenden Landschaftsplan)
3 Im Landschaftsplan sind 141 Bäume als eigenes Naturdenkmal und weitere 460 Bäume im Rahmen eines geschützten Landschaftsbestandteils als Naturdenkmal ausgewiesen, ferner eine Quelle. Weitere 824 Bäume sind über eine Verordnung über Naturdenkmale ausgewiesen (vgl. Mitteilung zur Vorlagen-Nummer 1809/2012 vom 23.05.2012).
4 Mit dem Ratbeschuss wird die Verwaltung beauftragt, das Änderungsverfahren einzuleiten und in dem Rahmen Bürger und Träger öffentlicher Belange zu beteiligen (vgl. §§ 27-29 Landschaftsgesetz NRW).

11 Gedanken zu “Geocachingverbot in Kölns Grünflächen droht

  1. Wenn man sich die Begründung des Verbotes anschaut haben die Erstellet der Vorlage sich nicht bzw. unzureichend über die bestehenden Regelungen informiert.
    Die Begründung des Verbotes ist sehr allgemein gehalten. Es liest sich so, dass die 47.000 Caches in NRW meist in Baumhöhlen und auf Bäumen liegen würden und Tier- und Pflanzenwelt stören und beschädigen. Das ist einfach falsch.
    Genau das ist nach den Regeln auf allen Plattformen nicht erlaubt und wird größtenteils auch überwacht. Spieler melden Verstöße und meist wird dann auch darauf reagiert.
    All das scheint den Initiatoren der Neuordnung nicht ausreichend bekannt zu sein.
    Es fehlt hier einfach an einem ausreichenden Informationsaustausch zwischen den „Welten“.
    Cacher kennen meist ihre Ansprechpartner. Umweltbehörden, Waldbesitzer und Naturschutzverbände, die Aufzählung ist sicher nicht abschließend, hingegen wissen nicht an wen sie sich wenden können. Obwohl alle Cacher zu 100% organisiert sind fehlt nicht Cachern das Wissen über diese Organisationen, deren Struktur und Kontaktmöglichkeiten.

  2. Das Verbot gilt aber dann auch „an Bäumen inkl. Kronentraufbereich“, d.h. „Stöckchengrab an einem Baum“ ist dann nimmer.

    1. Mit diese Formulierung ist es dann auch nicht mehr möglich, an einem Weg oder einer Bank einen Cache zu verstecken, wenn darüber ein Baum ragt. Das geht über das Wegegebot in NSG deutlich hinaus.

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